Was es “bringt” zu meditieren

9. Januar 2021 Zen

Kürzlich war ich mit einer sehr guten Bekannten in den Bergen beim Wandern. In einer märchenhaften Winterlandschaft durften wir fast fünf Stunden lang durch ein Glitzermeer aus Schnee wandern. Obwohl ich es manchmal gerne mag auch beim Wandern die Stille zu genießen, führten wir an diesem Tag, ganz gemäß dem Klischee zweier Freundinnen, eine angeregte Unterhaltung. 

Und so kam es, dass sie mich fragte, warum ich denn eigentlich so viel meditiere und wie ich dazu gekommen sei. Gerne erzähle ich als Antwort auf diese Frage die Geschichte, wie sich mein Leben innerhalb kürzester Zeit auf zahlreichen Ebenen wie von selbst zu wandeln begann, nachdem ich zu meditieren angefangen hatte. Doch an diesem Tag spürte ich nochmal genauer hin und fand viele tiefgreifende Veränderungen, die ich durch die Zen-Meditation erfahren durfte. 

Gerne möchte ich nicht nur meine Bekannte neugierig auf die Meditation machen, sondern viele weitere Menschen zu einem Leben in Einklang und in Kontakt mit sich selbst inspirieren. Vorweg ist es jedoch wichtig zu sagen, dass jeder Mensch ganz individuelle Umstände mit in die Meditation bringt und so ist auch der Weg eines Jeden absolut einzigartig. Die folgenden Beispiele sind ein winzig kleiner Auszug meiner persönlichen Erfahrung. 

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Freude – Und die Erfahrung des Unbedingten

Die Zen-Meditation reinigt unseren Geist und lässt Gefühle und Emotionen wieder ungetrübt zum Vorschein treten. Mehr noch, in der Meditation gelangt jeder ernsthaft Praktizierende früher oder später in einen Zustand absoluter, unbedingter Freude. Kein Objekt, kein Grund bedingt sie, sie ist einfach da, als unsere wahre Natur. Mehr und mehr kann sich dieser Zustand auch in den Alltag einschleichen. Mitten im Alltag blitzt dann das Licht der ungetrübten Freude ganz unerwartet und ohne äußere Auslöser auf. 

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Wahrhaftigkeit – Sich selbst und seine Emotionen wieder rein und ganz spüren

Nicht nur die Freude wird wieder reiner wahrnehmbar. Alle Emotionen gewinnen an Qualität und werden zugänglicher. Früher war ich fast schon stolz darauf, wie robust ich war und wie „stark“ ich mit kleineren Niederlagen oder schwierigen Situationen im Leben umgehen konnte. Bis ich erkannte, dass ich nichts anderes tat, als die Gefühle und Emotionen unbewusst einfach zu unterdrücken. Das passiert sehr vielen Menschen. Die Folge davon ist, dass wir uns manchmal vielleicht abgestumpft oder lustlos fühlen. Wir sind dann zwar keinen heftigen Gefühlsschwankungen ausgesetzt, aber unser Leben verläuft eher wie in einem trüben Nebel und wenn man sich ehrlich die Frage stellt, wann man denn zum letzten Mal herzhaft und unbeschwert gelacht hat, so kann man sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern. 

Heute kann ich viel mehr spüren als noch vor ein paar Jahren. Ab und zu ein paar Tränen zu vergießen, gehört zu meinem Leben und ist normal. Spannend ist aber, dass, wenn wir uns erlauben, die Gefühle, die gerade da sind, zu spüren, sie sich innerhalb kürzester Zeit wieder auflösen. Die trüben Wolken ziehen beiseite und der strahlende Sonnenschein kommt wieder zum Vorschein. Nicht nur meine Emotionen wurden durch die Zen-Meditation besser zugänglich. Als wären meine sensiblen Nervenendigungen rezeptiver geworden, so fühlen sich auch Berührungen oder das Streichen des Windes über die Haut viel sinnlicher, intensiver und magischer an. 

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Authentizität – Sich selbst Annehmen, so wie man eben ist 

Jeder Mensch hat Seiten an sich, die er mag, und andere, die er als unliebsam empfindet. Und natürlich hat auch jeder von uns Stärken und Schwächen (Lernpotenziale). Solange wir glauben, die ungeliebten Seiten an uns verstecken zu müssen, leben wir immer hinter einer unsichtbaren Maske. Natürlich sind diese Masken nicht immer selbst und schon gar nicht freiwillig gewählt. Häufig werden sie aufrechterhalten durch unbewusste Ängste, vielleicht verurteilt oder nicht mehr geliebt zu werden, wenn wir zu all unseren Schattenseiten offen stehen würden. Doch die strahlend weiße Fassade bleibt nicht ohne Preis so unbefleckt. Unmengen an Lebensenergie werden in das Erhalten des Außenbildes gesteckt, Energie, die uns an anderer Seite vielleicht fehlt oder als Druck auf unseren Schultern lastet. 

Wenn wir an unsere Freunde, Partner oder die Familie denken, so sind es oft spezielle kleine Eigenheiten, die diese Menschen einzigartig und liebenswert machen. Jedem gestehen wir es zu, Fehler zu machen, nur mit uns selbst gehen wir oft so hart ins Gericht. Der Weg zu Selbstakzeptanz, Selbstannahme und Selbstliebe ist ein Prozess. Dadurch, dass wir uns in der Meditation selbst immer besser kennenlernen, uns selbst immer näher kommen, dürfen wir immer mehr liebenswerte Seiten an uns entdecken. Und wir entwickeln Mitgefühl, für uns selbst und für alle Wesen. 

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Menschlichkeit – Mitgefühl mit sich selbst und anderen

Durch die Meditation treten wir Stück für Stück tiefer in unser Inneres. Wir erkennen Verstrickungen, in Form von unbewussten und hinderlichen Glaubenssätzen, Konditionierungen oder Gewohnheiten, die uns selbst oder anderen gegenüber destruktiv sind. Wenn wir erkennen, woraus so manch „schlechte“ Angewohnheit entstanden ist, können wir sie loslassen und Schritt für Schritt entwirren oder auflösen. Durch das Erforschen des eigenen Wesens, das Kennenlernen der eigenen „Fehler“ und Lernpotenziale, werden wir ganz automatisch auch weicher und mitfühlender mit anderen Menschen. 

„So unendlich und grenzenlos wie der Himmel, so groß und weit ist mein Mitgefühl mit mir selbst und mit allen Wesen. Mögen alle Wesen in Frieden leben“ Daishin-Zen Metta Mantra 

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Vertrauen – Sich dem Fluss des Lebens hingeben

Viele Menschen, die einen spirituellen Weg begehen, tun dies als Folge einer inneren Sehnsucht. Vielleicht einer Sehnsucht nach Erfüllung, nach Sinn, oder nach absoluter Freiheit. Die meisten erkennen rasch, dass dem regelmäßigen Eintauchen in die Stille ein ganz besonderer Zauber innewohnt. In der Stille liegt ein Funke all dessen, wonach wir uns sehnen. Ein tiefes Vertrauen gegenüber dem Leben erwacht in uns. Mehr und mehr fällt es uns leichter das Positive in allem, das uns widerfährt, zu erkennen. Mehr und mehr erwacht die Dankbarkeit für jeden einzelnen Moment des eigenen Lebens. Wir erkennen die Magie des Augenblickes, erhalten Zugang zu unserer Weisheit, zur Intuition und zur eigenen inneren Stimme. Wir lernen, unser Herz zu hören, und entwickeln den Mut, den es braucht, um dem Ruf des Herzens zu folgen. 

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Soulfood – Essen, was und wie es dem Körper gut tut

Sich „gesund“ zu ernähren ist in Tagen des absoluten Überangebotes an Diätempfehlungen, Ernährungsratgebern, Fitnesstrends und der wachsenden Gesundheitsindustrie gar nicht mehr so einfach. Was die einen als absolutes Wundermittel verehren, wird von anderen gänzlich verachtet und aus dem Ernährungsplan gestrichen. Um dem Kampf des täglichen Kalorienzählens und der Analyse der Nährwerttabelle zu entkommen, ist es hilfreich, einfach mal den Körper zu fragen, was er denn gerade braucht. 

Für mich persönlich hat sich der Ernährungsplan, seitdem ich zu meditieren begonnen habe, erheblich verändert. Der größte Unterschied: es gibt keinen Plan mehr. Wenn man sich darauf einlässt, immer mehr der inneren Stimme zu vertrauen, so sagt diese einem ganz genau, was die Seele und der Körper brauchen. Bei mir haben sich wie von selbst fast alle Genussmittel verabschiedet. Irgendwann hat mir mein Körper ganz deutlich signalisiert, dass er jetzt kein Fleisch mehr essen will. Das Bedürfnis mit Alkohol meine Sinne zu berauschen ist quasi auf null gesunken. Es gibt keine Regeln mehr im Speiseplan und genau deshalb können auch keine Verstöße begannen werden. 

Sich im eigenen Körper wohl und zuhause zu fühlen, ist ein wunderbares Gefühl. Viele bezeichnen den Körper als Tempel und genau das ist er. Ein sinnlicher Tempel, der es uns erlaubt zu fühlen, zu handeln und mit all unseren Sinnen die Welt zu erfahren. 

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Dankbarkeit – Die Magie in allem, das einem widerfährt erkennen

Beim Schreiben fällt mir auf, dass meine Euphorie immer weiter steigt. Endlos lange könnte ich diese Liste noch fortführen, und doch soll sie ja nur einen kleinen Einblick in die vermeintlichen „Nebenwirkungen“ der Meditation liefern. Meine Dankbarkeit dafür, dass ich diesem Weg so intensiv folgen darf, ist schwer in Worte zu fassen. Aus dieser Dankbarkeit heraus wächst das Bedürfnis, diesen Weg auch anderen Menschen zu zeigen oder zugänglich zu machen. Für mich brachte die Zen-Meditation eine absolute Wende im Leben. Ein Zuwenden zur Freude, zur Offenheit, zum Vertrauen und zur Neugierde auf das Leben und auf all seine noch verborgenen Schätze. 

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